Von: Dr. Bettina Hermes

Kongresse, Messen und Events allgemein haben es gerade nicht leicht wie wir alle wissen.

Dass die solutions_ als Digitalisierungskongress letzte Woche sowohl analog als auch digital stattfand, war daher eine echt große Sache, die das gesamte Team vor einige Herausforderungen gestellt hat. Vieles, was normalerweise monatelang vorbereitet wird, wurde nun in wenigen Wochen, Tagen ach was – Stunden auf die Beine gestellt. Meine Aufgabe als head of soltuions: während des Kongresses war die Moderation. Normalerweise besteht diese daraus, dass ich drei Tage am Morgen die Begrüßung übernehme, in den Tag einleite, die wesentlichen Highlights vorstelle und dann an den/die Keynotespeaker*in abgebe. Vor einer voll besetzen Hallen auf der Bühne zu stehen und tausend Menschen hören einem zu, das ist ein besonderes Erlebnis. Beängstigend und begeisternd zugleich. Mir hat es immer Riesen-Spaß gemacht.

Von der Bühne zum Studio

Das war dieses Jahr definitiv anders. Dieses Jahr bedeutete moderieren in eine Kamera zu schauen, ohne Publikum, ohne direkte Reaktionen, ohne Applaus. Ich stand also im Studio, das auf dem Gelände von Kampnagel eingerichtet war, wo auch der Kongress stattfand. Wo also normalerweise Ränge von Stühlen mit Menschen auf der anderen Seite sind, erwartete mich hier eine Rückwand, ein Stehtisch, vier riesige Stehlampen, zwei Kameras (mit Kameramann), ein Tontechniker, ein Bildmischer und ein Regisseur sowie meine Kollegin, die bei der allgemeinen Organisation unterstützte. Ach ja, und viel, viel Kabel und Technik.

Plötzlich wurde also aus der Moderatorin und Speakerin auf der Bühne eine Moderatorin in einem Studio, ähnlich dem eines Fernsehsenders. Mein Einsatz war das „Stinger in 5,4,3,2,1 und go“ des Regisseurs ab dann war ich live. Das Gefühl in eine Kamera zu sprechen und nicht zu wissen wer da auf der anderen Seite zuhört ist gewöhnungsbedürftig. Die super Stimmung im Team die in Sekundenschnelle reagiert haben, war die Basis dafür, dass alles so gut lief. Ich habe quasi für sie moderiert. Und wenn dann nach dem „wir sind raus“ ein „Daumen hoch“ kam, war das fast so gut wie der Applaus von vielen Menschen in einer vollen Halle.

Mit dem rasenden Reporter zum hybriden Erlebnis

Ganz besonders Spaß gemacht hat mir aber immer die Schalte zu unseren „rasenden Reporter“. Um ein hybrides Erlebnis zu schaffen sollten die beiden Stränge analog und digital wie selbstverständlich in einander greifen. Wir hatten dazu einen Reporter, der mit mobilem Kamerateam auf dem Gelände unterwegs war und den Zuschauern zu Hause so einen Einblick geben konnte was vor Ort so geschieht– der Entertainment Faktor stand hier definitiv ganz oben! So wie die gesamten zwei Tage auf Kampnagel mit „meinem Studio-Team“ einfach nur witzig und zugleich extrem professionell waren.

Tipps für Moderator*innen

Ich freue mich auf den Tag an dem ich wieder auf einer echten Bühne vor echten Menschen sprechen darf. Aber bis dahin vergeht vielleicht etwas Zeit und bis dahin helfen Dir vielleicht meine Tipps weiter.

Worauf Du Dich einstellen musst, wenn Du ein hybrides Event moderierst/auf einem hybriden Event sprichst:

  1. Viel mehr Technik: Man wird genauso verkabelt wie sonst aber plötzlich ist da ein ganzer Raum voll Technik der dafür sorgt, dass Bild und Ton bei den Menschen zu Hause ankommt. Das ist jetzt Deine Audience.
  2. Timing ist alles: Live Streams sollten super pünktlich starten, vor den Bildschirmen ist man ungeduldiger als in einer Halle wo man sich gerade beim ersten Kaffee schon in einem netten Gespräch mit dem Sitznachbar befindet.
  3. Der Inhalt entscheidet: Nicht alles funktioniert, Vorträge von 60 Minuten sind schwerer digital zu hören als in real life. Die Aufmerksamkeit lässt bereits nach 15 Min nach und da man als Speaker begrenzt in der Interaktion mit einem digitalen Publikum ist, muss man seine wesentlichen Aussagen auch komprimiert darlegen können.
  4. Die Interaktion fehlt: Das ist einfach so. Da ist kein Publikum, kein Applaus, kein Gelächter, kein zustimmendes Nicken, diese subtilen Zeichen, dass die Zuschauer „bei einem sind“ fehlen einfach komplett. Um diese Situation selbstsicher zu erleben, hilft nur üben. Und merken: wenn das rote Licht leuchtet, bist Du online!
  5. Spontaneität ist gefragt: Ein Speaker ist plötzlich aus dem Stream gefallen, die Verbindung zum anderen Raum reißt ab, der Talk den ich angekündigt habe, hat noch nicht begonnen, alles echte Situationen in denen man schnell und souverän reagieren muss. Ich habe meist einfach erzählt was gerade „schief gegangen ist“ und bin mit einer gesunden Portion Humor in solchen Situationen meist am besten gefahren.